Attach:IMG_1571-col-cross-fr.jpg Δ | Gaby, Sommer 2006 Die Cyanotypie ist eine der ältesten, relativ einfach und mit wenig Aufwand durchzuführende mono- chrome Fototechnik. Das Verfahren der Cyanotypie oder auch Eisenblaudruck wurde 1842 von Sir John Herschel entdeckt, damals einer der größten Naturwissenschaftler seiner Zeit, hochverehrt, hochdekoriert und an allen chemischen, physikalischen und auch noch philosophischen Erkenntnissen seiner Zeit maßgeblich beteiligt. Die Cyanotypie war das dritte photo- graphische Verfahren (nach der Daguerreotypie und der Talbottypie/ Calotypie), welches innerhalb von zwei Jahren (1840-1842) entdeckt wurde, und es war das erste silberlose Verfahren. Die Menschen waren sofort fasziniert von dem Preußisch Blau, welches vom Meißner Porzellan bekannt war, aber nur den äußerst Reichen zugänglich war. Erste Bücher wurden mit diesem Verfahren illustriert und ein beson- deres Papier ferro-prussiate wurde hergestellt. Künstler stürzten sich im vergangenen Jahrhundert geradezu auf das Verfahren der Cyano- typie, gab es ihnen doch die Möglichkeit eines vielfältigen Gestaltungsprozesses. Im Laufe des vergangenen Jahrhundert geriet der Prozess in Vergessenheit und starb fast völlig aus. Belichtet wird im Kontaktkopierverfahren mit Sonnenlicht oder einer anderen UV- Lichtquelle). Am besten eignen sich Negative mit deutlichen Kontrastabstufungen. Entwickelt wird in fließendem Wasser. Eine Nachbehandlung in einer Zitronen- säurelösung bringt tiefere Schatten und höheren Tonwertreichtum. Anders als bei modernen Silbergelatine-Prints entsteht das Bild dabei direkt im Papier und nicht nur in einer Schicht an der Oberfläche. Der Tonwertreichtum einer Cyanotypie ist auch heute noch dem eines Schwarz-Weiß-Silber-Bildes überlegen, einem Farbbild mit seinen vier Tonwertstufen sowieso.
